Skoda Rapid im Fahrbericht: Günstiger Voll-Pragmatiker

Meilenstein – wenn ein Autohersteller so ein großes Wort in den Mund nimmt, erwartet man irgendwie alles, nur kein Auto, bei dem die Pragmatik aus jeder Fuge quillt. Doch der neue Skoda Rapid versucht nicht mal im Ansatz besonderes High Tech vorzutäuschen, sondern beschränkt sich auf wohltuende Weise darauf, einfach ein sehr zweckdienliches Auto zu sein.
Das mag daran liegen, dass er nicht in erster Linie auf die eher technikverliebten deutschsprachigen Märkte zielt, sondern als Weltauto ganz klar auch auf China und Indien. In Indien ist der Verkauf des Skoda Rapid schon Anfang des Jahres gestartet. Der Markt dort ist für Skoda sowieso ein besonderer, denn vom Image her liegt der tschechische Hersteller hier sogar über der Mutter VW.


Manuel Neuer passt bequem in den Fond des Skoda Rapid
Von der kommt wie gehabt der Baukasten: Auf einer dem Polo entliehenen Mc-Pherson-Vorder- und Verbundlenker-Hinterachse thront auf 2,60 Meter Radstand eine der wohl geräumigsten Limousinen der Kompaktklasse. Der Skoda Rapid reiht sich so in der Skoda-Modellhierarchie direkt zwischen Fabia und Octavia ein, wobei er von den Außenabmessungen fast exakt den Dimensionen des ersten Octavia entspricht, nur eben mit deutlich mehr Platzangebot.
Im Fond könnte selbst Manuel Neuer seine langen Haxen verstauen, und der dank weit aufschwenkender Heckklappe bis auf eine Ladestufe gut beladbare Kofferraum bietet mit 550 Litern mehr Platz als ein Audi A8. Von dem sich der Stufenheck-Tscheche aber materialmäßig maximal weit distanziert: Wo man hinklopft, sind die Kunststoffe hart, aber zumindest genarbt. Was irgendwie gar nicht so stört, weil dem Skoda Rapid alles Lifestyle-Chi-Chi sowieso suspekt ist und er als höchstes der multimedialen Gefühle einen USB-Stecker unterhalb der Mittelkonsole präsentiert. Ja, schaut nur genau hin, liebe VW-Jungs, da muss so eine oft genutzte Buchse sitzen und nicht im Handschuhfach oder in der Armablage versteckt.


Gewöhnungsbedürftige Einfach-Navigation
Weiter gibt es dann noch diverse so genannte "simply clever"-Lösungen wie einen speziellen Handy- und Kartenhalter, einen Eiskratzer im Tankdeckel und mehrere Verzurrnetze, die glaubhaft belegen wollen, dass man bei Skoda ein Ohr für die Wünsche der Kunden hat. Bei der gewöhnungsbedürftigen Einfach-Navigation müssen diese aber zu leise gesprochen haben. Bis auf das serienmäßige ESP sucht man im Skoda Rapid zudem vergeblich nach modernen Assistenzsystemen. Mehr Sicherheit bietet er dafür auf klassische Weise, durch passende Airbag-Ausstattung und eine gelungene Rundumsicht. Der seitliche Verkehr lässt sich an den schmalen A-Säulen vorbei gut überschauen.
Dazu bietet bereits der 1,2 Liter große TSI-Motor mit 105 PS eine völlig zufriedenstellende Dynamik. Mit seinen 1,1 Tonnen Leergewicht ist der Skoda Rapid eben auch ein leichter Geselle. Das merkt man beim Beschleunigen wie agilen Kurvenräubern. Er federt Querfugen und Gullydeckel sanft weg, lenkt präzise ein und vermittelt seinem Fahrer das Gefühl, genau zu wissen, auf was es im normalen Verkehr wirklich ankommt.
Skoda Rapid 1.6 TDI brummt präsent
Was der durchzugskräftige 1.6 TDI nicht ganz schafft. Der 105 PS starke Selbstzünder brummt recht präsent, auch weil ihm im Gegensatz zum TSI ein sechster Gang fehlt. Steht der Skoda Rapid dann auch noch auf schmalflankigen Sporträdern, schert sich der schöne Komfort zum Teufel. Für ein kleines Plus an Präzision und Fahrdynamik klopft auf schlechten Wegen ein Holterdiepolter-Charakter durch die etwas einfach gepolsterten Sitze. Skoda-Chef Vahland verspricht hier bis zum Verkaufsstart Ende des Jahres (offizielle Präsentation Pariser Autosalon im Oktober) noch Feinabstimmung.


Ganz untenrum startet die Motorenpalette mit dem wenig empfehlenswerten, bekannt rauen Dreizylinder-Saug-Direkteinspritzer, der für die geringste Leistung nach NEFZ-Angaben mit 6,1 Liter pro 100 km gleich mal den höchsten Verbrauch abruft. Für ihn wird Skoda rund 14.000 Euro verlangen. Die Preise für die weiteren Modelle geben die Tschechen noch nicht an, aber selbst der etwas später kommende, 122 PS starke Skoda Rapid mit 1,4-Liter-Turbo dürfte deutlich unter 20.000 Euro liegen. Dank seines niedrigen Gewichts soll er sich sogar als kleines Racer profilieren (Höchsttempo 206 km/h). Das wäre dann, egal in welcher Leistungsstufe, erfreulich wenig Geld für viel Auto – und damit schon irgendwie ein Meilenstein.

 

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