Superb, V60, Passat: Welcher Kombi schafft die 4 Liter?

"Welches Auto kaufen wir uns?" fragt Oskar und lässt seinen roten Matchbox-Kombi über den Tisch sausen. "Onkel Tom hat so einen in Groß und fährt seltener tanken als Mami mit ihrem Smart." "Ich weiß", murmelt sein Vater und blättert angestrengt durch einen Berg Prospekte. Drei Sparkombis sind in der engeren Wahl: der VW Passat Variant Blue Motion, der Skoda Superb Combi Greenline und der Volvo V60 Drive.
Alle erfüllen die Vorgaben des Familienrats. Sie starten unter 30.000 Euro, bieten Platz für den Atlantik-Urlaub mit Junior und knausern so beim Verbrauch, dass es zukünftig die Ferienwohnung mit Meerblick sein darf. Skoda Superb Combi Greenline, Volvo V60 Drive und VW Passat Variant Blue Motion setzen dabei auf ein ähnliches Spar-Herz: einen Turbodiesel mit 1,6 Liter Hubraum (105 bis 115 PS), verfeinert mit Start-Stopp-Automatik. Leichtlaufreifen sollen bei allen den Rollwiderstand verbessern. VW und Skoda investieren zudem in eine dezente Tieferlegung, um die Aeordynamik zu schärfen.


Testverbrauch bei allen drei Kombis höher als versprochen
Diese Maßnahmen sollen den Mittelklasse-Kombis zu einem Verbrauch um 4,5 Liter pro 100 Kilometer verhelfen. Ein Märchen? Jein. Beim Testverbrauch kann keiner sein Versprechen halten - der VW Passat Variant Blue Motion kommt auf 6,7 Liter, der Skoda Superb Combi Greenline auf 7,3 Liter und der Volvo V60 Drive gar auf 7,8 Liter. Die Überraschung folgt auf der zurückhaltend gefahrenen Verbrauchsrunde (Stadt/Land/Autobahn), auf der sich der VW Passat Variant Blue Motion nur vier L/100 km in die Brennräume sprüht. Der Skoda Superb Greenline kommt mit 4,8 Liter/100 km aus, der Volvo V60 Drive braucht 5,1 L/100 km.
Den höheren Durst des Volvo V60 Drive erklärt zum Teil die Waage: 1.632 Kilogramm wiegt er leer. Wie bitte? Der über 20 Zentimeter längere Skoda Superb Combi ist 208 Kilogramm leichter, der VW Passat Variant Blue Motion rund 130 Kilogramm. Das wirkt sich auch auf die Zuladung aus: Der Volvo V60 darf 478, der Skoda Superb Combi gewaltige 200 Kilogramm mehr einpacken, beim Passat sind es 587.
Volvo V60 Drive in Sachen Design vorn
"Mama gefällt der Volvo am besten", flüstert Oskar seinem Vater ins Ohr und rollt bedeutsam mit den Augen. Trotz der kantigen Kombilinie ist es Volvo beim V60 gelungen, ein wohltuend eigenständiges Design zu entwerfen. Auch beim Thema Sicherheit hebt sich der Volvo V60 Drive ab: Er hat die besten Bremsen, besticht mit guter Rundumsicht und erkennt sogar serienmäßig einen Unfall im Voraus und steigt bis Tempo 30 selbstständig in die Eisen.
Der VW Passat Variant macht das als Blue Motion nicht einmal gegen Aufpreis. Weitere aktive Assistenzsysteme wie Tot-Winkel-Warner und Spurüberwachung listet Volvo als Extras auf - bei Skoda sucht man sie vergebens. Einzig ein adaptives Bi-Xenonlicht der Spitzenklasse ist im Angebot (1.115 Euro).


Raumriese Skoda Superb Combi 1.6 TDI Greenline
Reichlich Platz gehört zur Serienausstattung. Während der Skoda Superb Combi Greenline innen an ein Loft erinnert und der VW Passat Variant Blue Motion an eine großzügig geschnittene Altbauwohnung, rangiert der Volvo V60 Drive gefühlsmäßig auf Drei-Zimmer-Neubau-Niveau. In Zahlen schmerzt der Vergleich noch mehr: VW Passat Variant und Skoda Superb Combi können bei aufgestellter Rückbank über 600 Liter Gepäck aufnehmen, der Volvo V60 Drive schafft nur 430 Liter.
"Klein, aber fein!" wirft Oskars Mutter ein und zielt auf Interieur und Ausstattung im Volvo V60 Drive ab. Vom weichen Lederbezug bis zum stabilen Kofferraumboden hinterlässt die getestete Summum-Version einen nahezu tadellosen Eindruck.
Volkswagen schickt die Sparversion Blue Motion dagegen nur als Basisversion Trendline vom Hof. Den Grund zeigen die Verbrauchswerte: Mehr Ausstattung treibt Gewicht und Durst nach oben. Die Verarbeitungsqualität ist fast so gut wie im edlen Volvo V60 Drive, der Sitzkomfort aber spürbar schlechter. Im VW Passat Variant Blue Motion fehlt es an Polsterung und Seitenhalt.
Beinfreiheit im Skoda Superb Combi am größten
Im Skoda Superb Combi Greenline sitzt man angenehmer, ist aber von harten Kunststoffen umzingelt. "Ich mag meinen Platz im Skoda", strahlt Oskar und denkt an die Tränen, die es früher gab, wenn er mit seinen Füßen die Lehnen der Vordersitze verschmierte. Im Skoda Superb Combi wird ihm das nicht passieren, da der hintere Beinraum riesig ist.
Im VW Passat Variant Blue Motion geht‘s nicht ganz so luxuriös zu, aber immer noch luftig genug. Im direkten Vergleich ist der Volvo V60 Drive eine Nummer kleiner - vor allem wenn man den Skoda Superb Combi kennt.


Unterwegs mit dem Skoda Superb Combi Greenline vermisst man weder Kraft noch Federungskomfort. Mit den kürzeren Federn fühlt sich der Greenline sportlicher an als die Serienversion, ohne unangenehm über schlechte Straßen zu hoppeln - auch bei steigender Zuladung nicht.
Das Fahrwerk des antrittsstarken Volvo V60 Drive scheint Komfort und Sportlichkeit vereinen zu wollen - ohne Erfolg. Der Wagen wirkt einen Tick zu nervös, was sich auch auf die künstlich-direkte Lenkung überträgt.
Wie auf Wolken im VW Passat Variant Blue Motion
Wer allein im VW Passat Variant Blue Motion unterwegs ist, fühlt sich wie auf einem weichen Teppich. Der Voklswagen zieht genauso schnell auf Tempo 100 wie der Skoda Superb Combi Greenline, schwebt dabei aber über alle Schlaglöcher hinweg. Dieses wunderbare Komfortgefühl ändert sich jedoch schon mit zwei Passagieren auf der Rückbank. Dann scheint die Mühelosigkeit des Fahrwerks verflogen, und der VW Passat Variant Blue Motion überträgt mehr Unebenheiten.
"Und welchen kaufen wir nun?" will Oskar ungeduldig wissen. Seine Mutter schwärmt für den Volvo. Er verkörpert den auffällig anderen Spar-Kombi, hochwertig und detailverliebt, übersichtlich und sehr sicher. In dieser Runde spricht er mehr den Bauch als den Verstand an, was an der Relation zwischen Platzangebot und Preis liegt - von den hohen Unterhaltskosten ganz zu schweigen.
Oskars Vater schwankt zwischen VW Passat Variant Blue Motion und Superb Combi; beide erstklassige Raumriesen, wobei der Skoda Superb Combi noch luftiger ausfällt. Vorbildlich sparsam und gut kalkulierbar im Unterhalt sind beide. "Welcher gefällt dir eigentlich am besten, Oskar?"

 

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